Was ist bloß aus der Romantik geworden? Sich fallen lassen, taumeln, lodern, liebesblöd sein – das bedeutet für eine Gesellschaft, die es gerne hübsch nüchtern und geordnet hat, nichts mehr.
Romantische Gefühle mögen unzeitgemäß sein und sind im Supermarkt nicht zu kaufen. Aber sie bleiben dennoch: unersetzlich. So schrieb WELT-online vor Kurzem und ich war versucht, mit einem Leserbrief darauf zu antworten. Stattdessen habe ich mich für unsere Blog entschieden.
Die Botschaft ist dieselbe. Meine Erfahrungen mit romantischen Hochzeitspaaren in unserem Haus einfach nur positiv. Sie sind ganz einfach verliebt, romantisch, wie das reizende Pärchen in der vergangenen Woche. Sie haben sich ein Picknick für Zwei mit Schlossblick gewünscht.
Unser Küchenchef bestückte den Picknickkorb mit allerlei Leckerem, vom Kuchen über Obst bis zu heimischem Käse und Schinken, Sekt und Selters.
Da es ziemlich heiß war an diesem Tag habe ich die beiden als Chauffeur im BMW-Barockengel an eine einsame Stelle nahe der Pöllat gebracht, habe mich verabschiedet und in der Zwischenzeit selbst eine geruhsame Runde in unserem Oldtimer gedreht.
Nach rund zwei Stunden sollte ich sie abholen, fand sie, malerische auf einer Sandbank, im kühlen Flussbett wieder. Leider wollten sie nicht fotografiert werden, wäre sehr romantisch rübergekommen!
Anschließend machten wir noch einen Abstecher durch die Altstadt von Füssen. Ich hielt, ganz Chauffeur, direkt am Stadtbrunnen. Die beiden gönnten sich ein hervorragendes Eis und wohl auch die Blicke, die sie im ungewöhnlichen Fahrzeug auf sich zogen. Rührend, wie sich beide anschließend bei mir bedankten. Und romantisch, die Blicke, die beide tauschten.
Es ist also keine Frage des Geschlechts, ob man Romantik zulässt. Wer sich traut, in unseren selbstinszenierenden Zeiten Gefühle und wahre Romantik zuzulassen, wird schnell merken – sie sind unersetzlich, auch nicht durch noch so schöne Filme. Die Realität toppt alles, sagten auch die beiden von letzter Woche !
Ihr Erhard Thurm




