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Inspektion

Dienstag, 26. April 2011

Alles ist in Ordnung: Wir haben ihn auf Öl, Wasser, Batterie testen lassen, dem Mechaniker dabei genau über die Schulter gesehen. Gestern war es so weit und er durfte sein trockenes Winterquartier gegen die Hebebühne tauschen, wurde wieder heruntergelassen und sorgsam nach Hause chauffiert.

Letzte Spritzwassertropfen mit weichem Lappen entfernen, liebevoll über die ausladenden Kotflügel streichen und polieren. Ja keine moderne Waschanlage! Chrom und silbergrau-Metallic strahlten anschließend mit der Frühlingssonne fast um die Wette – aber nur so weit, wie es sich für einen echten Oldtimer seiner Klasse geziemt. Jetzt ist unser Barockengel wieder startklar, fast jedenfalls.

Alexander besteht auf einer Inspektionsfahrt mit mir. Fast ein Wunder für einen 15-jährigen. Aber er hat sein Herz genauso an die BMW-Legende aus der TV-Serie „Isar12″ verloren (wie ich). Obwohl er den Funkspruch „Isar 12 bitte kommen” nur von alten Videos aus meiner Sammlung kennt. Vielleicht gerade deshalb hat er sich mit mir zusammen in dieses finanzielle „Abenteuer” gestürzt.

Kurz und gut – wir nutzen das schöne Wetter noch aus und sind anschließend 100 Prozent sicher, dass sich unsere Gäste nicht nur in einen schönen Wagen, sondern sich damit in ein sicheres und zuverlässiges Auto setzen.
Die strahlenden Gesichter sehe ich jetzt schon wieder vor mir, bei der Fahrt zum Standesamt, auf dem Weg zum verschwiegenen Picknickplatz. Und immer ergeben sich nette Gespräche, kommen Anekdoten zum Vorschein, sobald ich mit den Gästen im Fond des Wagens über die geruhsamen Landstraßen gleite. Ja gleite, denn in unserem Barockengel fährt man nicht Auto, man reist höchstens im Wagen! Oder gleitet durch die Landschaft.

alex

Ihr Erhard und Alexander Thurm

Zwischen Romantik und Liebesblödheit

Freitag, 27. August 2010

Was ist bloß aus der Romantik geworden? Sich fallen lassen, taumeln, lodern, liebesblöd sein – das bedeutet für eine Gesellschaft, die es gerne hübsch nüchtern und geordnet hat, nichts mehr.

Romantische Gefühle mögen unzeitgemäß sein und sind im Supermarkt nicht zu kaufen. Aber sie bleiben dennoch: unersetzlich. So schrieb WELT-online vor Kurzem und ich war versucht, mit einem Leserbrief darauf zu antworten. Stattdessen habe ich mich für unsere Blog entschieden.

Die Botschaft ist dieselbe. Meine Erfahrungen mit romantischen Hochzeitspaaren in unserem Haus einfach nur positiv. Sie sind ganz einfach verliebt, romantisch, wie das reizende Pärchen in der vergangenen Woche. Sie haben sich ein Picknick für Zwei mit Schlossblick gewünscht.

Unser Küchenchef bestückte den Picknickkorb mit allerlei Leckerem, vom Kuchen über Obst bis zu heimischem Käse und Schinken, Sekt und Selters.

barockengel

Da es ziemlich heiß war an diesem Tag habe ich die beiden als Chauffeur im BMW-Barockengel an eine einsame Stelle nahe der Pöllat gebracht, habe mich verabschiedet und in der Zwischenzeit selbst eine geruhsame Runde in unserem Oldtimer gedreht.

Nach rund zwei Stunden sollte ich sie abholen, fand sie, malerische auf einer Sandbank, im kühlen Flussbett wieder. Leider wollten sie nicht fotografiert werden, wäre sehr romantisch rübergekommen!

Anschließend machten wir noch einen Abstecher durch die Altstadt von Füssen. Ich hielt, ganz Chauffeur, direkt am Stadtbrunnen. Die beiden gönnten sich ein hervorragendes Eis und wohl auch die Blicke, die sie im ungewöhnlichen Fahrzeug auf sich zogen. Rührend, wie sich beide anschließend bei mir bedankten. Und romantisch, die Blicke, die beide tauschten.

Es ist also keine Frage des Geschlechts, ob man Romantik zulässt. Wer sich traut, in unseren selbstinszenierenden Zeiten Gefühle und wahre Romantik zuzulassen, wird schnell merken – sie sind unersetzlich, auch nicht durch noch so schöne Filme. Die Realität toppt alles, sagten auch die beiden von letzter Woche !

Ihr Erhard Thurm